Mittwoch, 1. April 2009

Review: Gravity – Der S60/Symbian-Twitter Client?

Seitdem ich Twitter nutze, war ich auf der Suche nach einem Twitter-Programm für mein Nokia N95 8GB. Wenn man sucht, stößt man schnell auf Twibble – einen Client, den es für PC und für JAVA-fähige Telefone gibt. Kostenlos erhältlich ist er ebenso.

Nun ist aber seit Anfang dieser Woche Gravity verfügbar – das erste native Twitterprogramm für Symbian S60 in der 3rd und 5th Edition. Entwickelt von einer Berliner Softwarefirma und von mir schon sehnlichst erwartet. Leider war ich nicht Teilnehmer am Betatest. Warum leider und ob sich das Warten gelohnt hat, lest ihr im vollständigen Artikel …

Gravity kommt als kleine sisx-Datei daher, die über die PC Suite schnell installiert ist. Wer das Programm erst einmal ausprobieren will, der kann das über die Trial-Version auf der Homepage tun. Wenn man Gravity dauerhaft einsetzen will, dann muss man die Software für knappe 10 EUR erwerben.

Ich benutze Gravity in der aktuellen Version 1.0 build 4250 seit ein paar Tagen und kann somit ein erstes Feedback liefern (alle Erfahrungen auf einen Nokia N95 8GB) . Fangen wir mal mit den Features an, wie sie auf der Homepage aufgezählt sind (grob übersetzt Wink):

  • Kompatibel mit Twitter und Laconica
  • Unterstützte Funktionen: tweet, @reply, Direktnachrichten (DM), follow & unfollow, Favoriten (de)markieren, Suche, Auto-Update und viele mehr …
  • Laschen-basierte Ansicht (auch Tabs genannt) für Zeitlinie, @Replies, Direktnachrichten, Freunde, …
  • Unterstützung für mehrere Accounts
  • Twitter-Suche mit verschiedenen Laschen und der Anzeige der Twitter Trends
  • TwitPic zum Posten von Bildern
  • Webadressen aus Tweets werden im Browser geöffnet
  • Kinetisches Scrollen auf Symbian S60v5 (bisher Nokia 5800 und Nokia N97)
  • änderbare Farbgebung für Symbian S60v3 (bisher ein dunkles und ein helles Thema)

Soviel gleich zu Beginn: optisch macht Gravity wirklich was her. Durch die schicke Farbgebung und die durchgängige Einbindung der Icons sieht das Programm extrem schick aus.

Gravity: Timeline

Gravity: das Dashboard

Gravity: Auflistung der Fotos auf dem Gerät

Gravity: Favoriten

Gravity: Tweet schreiben

Die Eingabe der Twitter-Daten ist schnell erledigt, ein Klick auf “Update now” im Menü aktualisiert das eigene Profil. Vorher muss man allerdings online gehen und einen Zugangspunkt auswählen.

 

Was kann Gravity?

Im Dashboard (heißt hier Accounts, zweites Bild oben, ich habe einfach mal ein englisches Wort durch ein anderes ersetzt. Eine Glanzleistung! Tongue out) hat man schnellen Zugriff auf die eingerichteten Accounts, die Suche oder auch die Programminfo/Update-Notifizierung. Sobald man auf einen Account klickt, kommt man auf die nächste Lasche im Programm: Die Timeline. Hier werden alle Tweets in der zeitlichen Reihenfolge angezeigt, wobei das nicht ganz stimmt – direkte Nachrichten tauchen hier nicht auf. Wenn man auf einen Tweet klickt, dann scrollt butterweich am unteren Ende des Tweets ein Feld mit kontextsensitiven Optionen heraus. Je nach Tweet stehen folgende Funktionen zur Verfügung:

  • Reply
  • ReTweet (RT)
  • Direkte Mitteilung (DM)
  • Favorit hinzufügen/löschen  (+FAV/-FAV)
  • URL(s)
  • Follow/Unfollow
  • @Username (falls im Tweet ein Username vorkommt, kann man diesen direkt für ein Reply nutzen)
  • #hashtag (die Hashtags werden einzeln angezeigt und wenn man darauf klickt, wird die Twitter nach weiteren Tweets mit diesen Hashtags durchsucht)

Das sieht nach einem durchdachten Konzept aus und vereinfacht die Bedienung ungemein. Jeder Zugriff ist nett animiert, das hat alles so ein bissel iPhone-Feeling (auch ohne Touch).

Aus dem Dashboard hat man auch Zugriff auf die letzten 8 Fotos, die auf dem Handy gespeichert sind. Sie werden übersichtlich in einer Liste mit ein paar Metadaten (Dateigröße, Datum der Aufnahme, Auflösung) präsentiert. Wenn man ein Bild anklickt, kommt man in den Texteingabedialog. Wenn man seine Nachricht abschickt, wird das Bild skaliert und an TwitPic.com (inklusive Tweet) übertragen. Funktionierte in meinen Tests ohne Probleme und eindeutig besser als bei Twibble, der aus der Java-Sandbox heraus mit Rückfragen nervt bevor man ein Bild verschicken kann.

Kommen wir zum vermutlich wichtigsten, dem Schreiben von Tweets: Tweets kann man in der Timeline und in fast allen anderen Laschen einfach schreiben, in dem einen Buchstaben tippt. Dann erscheint im unteren Teil des Bildschirms eine Eingabemaske, die groß und leserlich 140 Zeichen entgegen nimmt und brav in der rechten oberen Ecke anzeigt, wie viel Buchstaben man für den aktuellen Tweet noch zur Verfügung hat. Ein Klick auf “Update” (linker Softkey) veröffentlicht dann das ganze bei Twitter.

Apropos Suche: Aus dem Dashboard kann man die Suche bemühen. Einmal eingerichtete Suchbegriffe werden vom Programm vorgehalten und im Hintergrund aktualisiert, zumindest ist das mein Eindruck. Die Suche steht somit auch nach Neustart des Programms wieder zur Verfügung (dann mit aktuellen Ergebnissen) und man muss eine Suche explizit löschen, wenn man sie nicht mehr haben will.

Wie sich das für ein ordentliches S60-Programm gehört, kann man Gravity auch im Quermodus nutzen, das Umschalten erfolgt entsprechend automatisch, wenn diese Funktion vom Telefon unterstützt wird. Auch das Verschieben in den Hintergrund (Hide – rechter Softkey am Dashboard oder rote Taste am Telefon) funktioniert anstandslos.

 

Wo sind die Ecken und Kanten von Gravity, was kann man verbessern?

Kein Programm ist perfekt, das ist auch keine Meckerliste sondern einfach ein paar Sachen, die ich mir wünschen würde.

  • Vollbildmodus
    Gravity verschenkt eine Menge Platz auf dem Display, da es keinen Vollbildmodus anbietet.
  • Mehr Einstellmöglichkeiten
    Gravity fragt bei Programmstart JEDES Mal nach dem Zugangspunkt, das brauche ich nicht seitdem ich Psiloc Connect verwende. Es nervt. Zudem kann man nicht auswählen, dass das Programm sofort online gehen soll. Ein Offline-Twitterclient ist nur bedingt sinnvoll Thinking
    Mann kann ebenso wenig einstellen, wie oft Gravity sich aktualisiert.
  • Notifizierung
    Wenn Gravity im Hintergrund arbeitet, dann bekommt man keine Mitteilung, ob oder wann neue Tweets eingegangen sind. Das mag für Leute okay sein, die 1000 Freunde haben und sowieso aller 2min neu bezwitschert werden. Aber eine Mitteilung (Vibration/Ton) über eingegangene @Replies oder DMs wäre ein tolles Feature.
  • Lokalisierung
    Entgegen dem Trend zur weiteren Globalisierung würde ich mir eine eingedeutschte Variante wünschen.
  • Accounts vs. Dashboard
    Ich halte Dashboard für die bessere Bezeichnung der Startseite. Geschmackssache!
  • Bilder
    Es werden “nur” die letzten 8 Bilder angezeigt, bisher hat man keine Möglichkeit, ältere Fotos oder Fotos in einem anderen Ordner auf dem Handy zu nutzen. Hier besteht Handlungsbedarf.
  • Webbrowser-Handling
    Wenn man aus Gravity heraus einen Internetlink öffnet, dann startet der S60-Browser und zeigt die aufgerufene Seite. Nur leider hat man so lange wie diese Instanz des Browsers offen ist, keinen Zugriff auf Gravity. Wenn man also mit dem Task Manager (in meinem Fall Handy Taskman) zu Gravity umschaltet, landet man im Browser. Das ist aus meiner Sicht ein Bug. Oder ein gestörtes Verhältnis zum Multitasking.
  • DM in Timeline
    Mir ist nicht ganz klar, warum DMs nicht in der globalen Ansicht (Timeline) eines Accounts auftauchen. Das muss zwar nicht sein, aber wenn es so bleibt, fehlt ganz klar die Notifizierung für DMs (siehe oben).
  • GPS-Unterstützung
    Ich bin mir nicht sicher, ob man das wirklich, wirklich braucht und es steht auch nicht auf meiner Haben-will-Liste ganz oben – aber der einzige Konkurrent bringt es mit.
  • Kodierungsprobleme
    Bei Tweets von @golem_de ist mir aufgefallen, dass die Umlaute nicht richtig dekodiert werden. Keine Ahnung, ob das ein Gravity-Problem ist …

Mein Fazit

Ich kann (und werde) Gravity empfehlen und habe es persönlich auch schon lizensiert. Mit meinem Kauf drücke ich zudem die Zuversicht aus, dass ein paar der von mir angesprochenen Schwachpunkte demnächst ausgeräumt werden. Außerdem muss ich als Brandenburger doch wohl eine kleine Berliner Firma unterstützen Smile. Vielleicht darf ich ja dann beim nächsten Mal sogar am Beta-Test teilnehmen!

Die internationale Resonanz auf Gravity war enorm, es erscheint zum richtigen Zeitpunkt – der Erfolg von Twitter außerhalb Amerikas ist weiterhin steigend. Und da das Programm tolle Funktionen augenschmeichelnd umsetzt, hier mein Resümee: Thumbs-upThumbs-upThumbs-upThumbs-upThumbs-up

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