Dienstag, 8. September 2009

Ruprechts Meckerecke – Heute: S-Bahn in Berlin

S-Bahn im Chaos

Wer seit Mai 2009 in Berlin auf die S-Bahn angewiesen war, der musste neben einem gültigen Fahrausweis noch etwas mitbringen: Geduld. Und nicht gerade wenig.

Wir blicken zurück – im Wonnemonat Mai ist eine S-Bahn wegen eines Radschadens aus den Schienen gesprungen. Die Berliner S-Bahn hat daraufhin vom Eisenbahn-Bundesamt (EBA) Auflagen zur schnellstmöglichen und regelmäßigen Überprüfung der betroffenen S-Bahn-Reihe bekommen. Aus welchen Gründen auch immer, wurde das nicht in der gewünschten Schnelligkeit (oder Regelmäßigkeit) durchgeführt, so dass das EBA sich dazu entschloss, die gesamte Baureihe stillzulegen bis die Überprüfungen abgeschlossen sind. Damit stand über einen großen Teils des Sommers nur ein Drittel der sonst üblichen Kapazitäten zur Verfügung, die Berliner Verkehrsbetriebe versuchten, das angeschlagene Partnerunternehmen so gut wie möglich mit kürzeren Zyklen bei U-Bahn, Bus und Tram zu unterstützen aber auch sie konnten das Chaos in der Ferien- und Urlaubszeit nicht verhindern. Eine Blamage für die Hauptstadt!

Ende August, mit dem Wechsel zum Winterfahrplan, war Licht am Ende des Tunnels zu entdecken – viele Strecken wurden wieder halbwegs regelmäßig bedient, die Ringbahn schaffte fast wieder ihren 10-Minuten-Rhythmus und selbst Strausberg-Nord war wieder am S-Bahn-Netz angeschlossen.

Gestern am späten Nachmittag dann die Horrornachricht, die viele Pendler erst heute morgen auf dem Weg zur Arbeit erreichte: Es gibt erneut Probleme, diesmal mit den Bremsen! Die S-Bahn hat sich kurzfristig (zum Wohle der Fahrgäste?!?) entschlossen, die betroffene Baureihe erneut aus dem Verkehr zu ziehen. Die Zeit reichte natürlich nicht für einen funktionierenden Notfahrplan, so dass momentan in Berlin nur ein Viertel der regulären S-Bahn-Kapazität zur Verfügung steht. Im Innenstadtbereich fahren nur noch hektisch eingesetzte Regionalzüge, die Ost-West-Strecke ist so gut wie tot.

Soviel zum sachlichen Teil!

Ich kann nur sagen, dass es mir relativ egal ist, wer die Schuld an den Versäumnissen trägt, aber was die S-Bahn hier abliefert, ist einfach nur dilettantisch. Es nervt, es kostet Zeit und weckt nicht gerade Vertrauen. Wie nach einem solchen GAU vom Frühsommer so etwas noch einmal passieren kann, ist mir ein Rätsel. Passend dazu hat sich die S-Bahn gerade gestern in Verhandlungen mit dem Berliner Senat bezüglich Entschädigungen befunden und konnte sich nicht einigen. Ich denke, die Verhandlungsposition des Senats hat sich über Nacht deutlich gestärkt.

Trotz allem ist es mir absolut unverständlich und ich hoffe, dass sowohl das Unternehmen als auch die Stadt Berlin daraus deutliche Konsequenzen ziehen. Die ziehe ich übrigens auch: Heute bin ich mit dem Auto im Büro und für morgen habe ich prophylaktisch schon mal Home Office angemeldet. Mein Beileid gilt allen anderen S-Bahn-Geschädigten und auch den Gästen der IFA, die gerade läuft.

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