Donnerstag, 24. September 2009

Twitter für Einsteiger – Ein Erklärungsversuch!

Twitter-Logo Wer meinen Blog regelmäßig besucht, dem ist eventuell bewusst, dass ich vor einem guten halben Jahr begonnen habe, mich für Twitter zu interessieren. Nun, sechs Monate später folgt ein persönliches Resümee.

Was ist Twitter?

Twitter ist ein kostenloser, sogenannter Microblogging-Dienst. Dieser Begriff setzt sich aus Blog zusammen (also die allseits beliebten Internettagebücher wie dieses hier) und Micro – klein. Klein deshalb, weil eine Nachricht auf Twitter momentan nicht länger als genau 140 Zeichen sein kann. Man muss sich also kurzfassen und könnte einen Vergleich zwischen Telefon und Internet ziehen: Wenn Bloggen dem Telefonieren ähnlich ist, dann entspräche Twitter den SMS auf dem Handy.

Übrigens ist Twitter zwar der größte und bekannteste Dienst dieser Art aber es gibt auch Alternativen wie zum Beispiel identi.ca oder Laconica.

Die Twitter-Faszination

Twitter ist spätestens seit Jahresbeginn in vieler Munde als die ersten Nachrichten (und Bilder!) über die Flugzeugnotlandung auf dem Hudson-River in New York über Twitter die Welt erreichten. Twitter ist ein Echtzeitmedium, es versorgt Millionen Menschen in Sekunden mit seinen kurzen Texten. Die meisten davon sind nur einfache Meldungen mit zweifelhaftem Informationsgehalt wie “Der Kaffee ist kalt!” aber es gibt auch viel Nützliches – man muss es nur finden Tongue out

Wie gesagt, den größten Teil der Faszination macht sicherlich die Echtzeiteigenschaft aus: Wenn jemand etwas schreibt, dann ist das meist etwas, was just in diesem Augenblick passiert – Tore beim Fußball, Amok-Läufe, der Schmetterling auf dem Fensterbrett, Wahlergebnisse vor den offiziellen Aussagen und einfach nur die Mitteilung, dass man auf dem Weg ins Bett ist. Die zeitabhängige Komponente ist einfach (fast) immer da!

Das Prinzip hinter Twitter

Wie schon erwähnt, kann jede Nachricht bei Twitter 140 Zeichen lang sein. Eine solche Nachricht nennt man Tweet – das englische Wort für “zwitschern”. Jeder Nutzer von Twitter hat eine sogenannte Timeline (Zeitlinie), in der seine eigenen Tweets sowie die von den Leuten erscheinen, denen man folgt. In der Regel kann man sich auf der Twitter-Webseite umschauen und all das lesen, was die Leute so zwitschern. Dazu muss man nur ihren Twitter-Namen kennen, meine Seite findet ihr hier: http://twitter.com/upD8R

(Ups, schon fast 1800 mal gezwitschert, das ist nicht wenig, oder? Dont tell anyone)

Wenn man möchte, dass die Tweets einer Person frei Haus kommen (also in der eigenen Timeline erscheinen), dann muss man diese abonnieren – dieser Vorgang heißt bei Twitter “follow”, also jemandem folgen. Sobald euch jemand folgt, sieht der “Verfolger” alles was ihr in die 140 Zeichen packt. Deswegen sollte man (wie bei allem, was man im Internet oder im realen Leben macht) denken bevor man schreibt bzw. handelt. Man kann Tweets zwar auch wieder löschen, aber das ist keine Garantie, dass es das Internet nicht schon an anderer Stelle in seiner Historie abgespeichert hat.

Man folgt sicherlich nicht wahllos irgendwelchen Leuten sondern schaut, dass es einen interessiert oder man diese vielleicht persönlich kennt. Manchmal merkt man auch, das war es nicht und hebt die Verfolgung auf … wie im richtigen Leben sozusagen.

Die Bedienung

Meine Twitter-Homepage Man kann Twitter jederzeit über die Weboberfläche steuern: http://twitter.com/home – also neue Tweets erstellen, die der anderen lesen, antworten etc. Man kann auch Favoriten festlegen oder seine Einstellungen bearbeiten.

Bequemer ist es allerdings aus meiner Sicht, wenn man spezielle Programme nutzt, die die Twitter-Funktionen augenfreundlicher und besser bedienbar zur Verfügung stellen und auch Zusatzdienste wie z.B. das Hochladen von Bildern ermöglichen.

Für den PC kann ich das freie Spaz empfehlen, das es allerdings nur in Englisch gibt. Da Twitter-Nutzer gern von überall und zu jeder Zeit twittern, sind viele auch mobil dabei. Das geht von Internetfähigen Telefonen mittels der mobilen Version der Twitter-Homepage oder über spezielle Programme für das Handy. Für Symbian S60-basierte Geräte (also z.B. die Nokia N- und E-Serie) gibt es nichts besseres als Gravity. Letzteres hat sich seit meinem Review im April zu einem Twitter-Allround-Talent weiterentwickelt und ist für mich das Nonplusultra (unterstützt jetzt sogar Facebook!).

Nun mal Tacheles: Ein Tweet ist schnell erstellt, man gibt auf der Webseite (oder im Programm) einen Text kleiner/gleich 140 Zeichen ein und drückt auf Update. Schon steht der Tweet im Netz, Deine Verfolger sehen ihn in ihrer Zeitlinie. Schnell wird man merken, dass es dort auch Sonderzeichen in Nachrichten gibt, hier mal ein schneller Überblick:

Das @-Symbol setzt man vor einen Twitter-Benutzernamen, um diesen Nutzer direkt anzusprechen. Wenn man auf einen Tweet antwortet (Reply) geschieht das automatisch durch die Weboberfläche oder das entsprechende Programm. Beim Empfänger werden solche Tweets besonders markiert, so kann man erkennen, dass man direkt angesprochen angeschrieben wurde. Nachrichten mit @-Symbol erscheinen in den öffentlichen Zeitlinien, sie sind also nicht für private Kommunikation gedacht. Man kann auf diese Art und Weise sozusagen eine öffentliche (laute?) Unterhaltung führen.

Das zweite, häufig anzutreffende Sonderzeichen ist das #-Symbol. Es markiert einen sogenannten Hashtag – dieser kann benutzt werden, um zusammengehörige Tweets zu markieren, so findet man momentan oft Tweets mit #btw09 für Themen zur Bundestagswahl 2009.

Ein Tweet in der Form “RT @Twittername Text” oder “via @Twittername” bezeichnet einen Re-Tweet: Man liest etwas interessantes von jemand anderem und möchte es entweder nur weiterverbreiten oder um einen Kommentar ergänzen, dann nimmt man die Retweet-Funktion von Twitter.

Wenn man einem Twitternutzernamen ein “d” voranstellt, dann ist das eine Direktmitteilung (Direct Message, DM), die nur dieser Nutzer lesen kann. Sie erscheint nicht öffentlich. In den Standardeinstellungen von Twitter bekommt man auch zeitgleich beim Empfang einer DM eine Email geschickt, damit man nix verpasst Smile Ein “d upd8r Hier kommt der Text” würde also an mich gerichtet sein. Man kann übrigens niemandem eine DM schicken, der einem nicht folgt. So soll Spam eingeschränkt werden. Genau gesagt kann man sie abschicken, aber sie wird nicht zugestellt und man bekommt auch keine Fehlermeldung.

Spam bei Twitter

Den gibt es leider auch – oder sagen wir mal, es gibt sogenannte Spam-Accounts. Diese fallen meist dadurch auf, dass sie einem folgen aber selbst keine Tweets abschicken oder nur immer auf Ihre (oder andere zweideutige) Webseiten verweisen. Solche Accounts kann man blockieren – mit dem Ergebnis, dass die eigenen Tweets nicht mehr in deren Timeline erscheinen. Freiwillig folgen wird man Spam-Accounts wohl nicht, wer will diesen Mist schon lesen? Eye-rolling

Im übrigen kann man seine Tweets auch schützen indem man seine ganze Timeline als privat erklärt (kann man auf der Webseite in den Einstellungen machen). Das hat zur Folge, dass die Tweets nur noch von Verfolgern gelesen werden können, sie sind auch nicht mehr auf der Internetseite der Allgemeinheit zugänglich. Und wenn einem jemand folgt, der einem nicht in den Kram passt, kann man ihn blockieren (siehe oben).

Suchen in Twitter

Wenn man nicht 24h pro Tag online ist, wird man zwangsläufig Tweets verpassen. Gleiches gilt für Tweets von Nutzern, die man gar nicht kennt oder denen man nicht folgt. Deshalb kann man natürlich auch Twitter durchsuchen: http://search.twitter.com/

Viele Twitter-Programme bieten eigene und komfortablere Suchmasken, so kann ich bei Gravity verschiedene Suchbegriffe festlegen, die beim Start des Programms automatisch ausgeführt werden. Oder man nutzt andere webbasierte Suchmaschinen, die ebenfalls auf den Datenbestand von Twitter zugreifen (z.B. http://www.twazzup.com/).

Auf diese Art und Weise habe ich schon diverse interessante Tweets von Personen gefunden, denen ich in der Zwischenzeit folge. Es gibt auch abgewandelte Suchen, die jetzt nicht nach Themen sondern nach Orten suchen: mit Tools wie TwitterLocal oder TwitterMap kann man sehen, wo jemand was twittert.

Wofür nutze ich Twitter?

Bei mir hat sich Twitter im Laufe der Zeit für folgende Bereiche etabliert: Ich bleibe auf dem Laufenden, was Freunde und Bekannte von mir gerade tun. Da kann man sozusagen seinem Voyeurismus in abgeschwächter Form frönen.

Zudem dient es mir als sehr wichtige Quellen für zeitnahe Neuigkeiten, wenn man z.B. der MAZ, der Berliner Morgenpost, dem Spiegel oder anderen Medien folgt, wird man schneller informiert als über Fernsehen oder Radio. Zum Teil ersetzt Twitter auch meinen RSS-Reader, da viele Blogger über Zusatzdienste wie Twitterfeed automatisch einen Tweet absetzen, wenn im jeweiligen Blog ein neuer Artikel erschienen ist. Ich mache das übrigens auch so, damit ist Twitter eine weitere Möglichkeit, die Reichweite des eigenen Blogs ein wenig zu erhöhen.

Wenn man Twitter nutzt, muss man sich auf Belanglosigkeit einstellen. Das muss aber nicht zwangsläufig etwas schlechtes sein, man muss eben filtern können. Auf der anderen Seite ist man fast live dabei, wie die Internetgemeinschaft Aktionen wie diese hier plant:

Und alle so: Yeah! Was soll man noch weiter sagen?

Am Anfang habe ich übrigens gedacht, dass man niemals mehr als einer Handvoll Leuten folgen kann – heute geht es stramm auf 300 zu und es funktioniert. Man überfliegt viele Dinge einfach, man folgt nicht jedem Link oder jeder Diskussion. Es ist mehr ein zusätzlicher Informationskanal, der genauso nebenbei läuft wie vielleicht Radio oder Fernsehen und wenn man etwas Interessantes entdeckt, schaut man genauer hin.

Probiert Twitter aus – für wen es nichts ist, der lässt es einfach wieder bleiben. Wink

Und icke so: Häh?

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