Freitag, 2. Oktober 2009

Gasthof Strausberg Nord? NEIN danke!

02102009035 (2) Eigentlich wolle ich diesen Artikel mit “Sklavenhaltung im Osten – Erkenntnisse des 21. Jahrhunderts” übertiteln. War mir aber zu lang.

Meine Frau ist seit Anfang der Woche krank geschrieben, es geht ihr auch immer noch nicht besonders gut. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, bekommt sie heute Mittag ein Einschreiben von ihrem Arbeitgeber – dem Gasthof Strausberg Nord.

Hmm, Einschreiben? Was soll der Chef schon postalisch abgesichert schicken, was er nicht auch telefonisch abklären könnte?

Es war eine Kündigung. Fristgerecht. Überraschend. Unbegründet.

So ist das also heutzutage, man investiert Engagement und Herzblut, hat guten Kontakt zu Gästen, kommt sogar mit einem kranken Kind zur Arbeit, damit das Geschäft weiter läuft und was ist der Dank nach mehr als 1,5 Jahren? Eine unbegründete Kündigung.

Ich würde mal sagen, ihr Chef hat keinen Arsch in der Hose oder wie kann man eine so unpersönliche Entledigung eines lästigen Angestellten sonst nennen?

Wir hatten noch ein kurzes Telefonat, bei dem sich der Chef auf “innerbetriebliche Gründe” zurückgezogen hat. Herrlich!

Meiner Frau hat er dann erklärt, er wäre mit ihrer Arbeit nicht zufrieden gewesen. Was genau, konnte er natürlich nicht sagen. Das ist lächerlich! Falls seine Unzufriedenheit wider Erwarten wirklich der Wahrheit entspricht, offenbart es zumindest eine Riesenlücke an sozialer Kompetenz und Mitarbeiterführung. Aber von dem Gedanken, dass klein- und mittelständische Betriebe eine soziale Verantwortung wahrnehmen, muss man sich ja sowieso verabschieden.

Gastronomie ist ein raues und unterbezahltes Pflaster. Moderne Sklavenhalterei trifft es wirklich ganz gut – oder wie ist es zu erklären, dass unterbezahlte Stellen von noch billigeren Praktikanten übernommen werden?

Ich kann nur jedem zukünftigen Besucher und insbesondere potentiellen Angestellten des Gasthofs empfehlen, sich auch mal darüber Gedanken zu machen, was hinter der schönen Fassade so abgeht.

Mich sieht der Gasthof Strausberg Nord jedenfalls nicht wieder. Es gibt andere Plätze, an denen man sein Geld sinnvoller einem anderen Vorzeigekapitalisten Menschenfreund in den nimmersatten Rachen werfen kann.

Für die Überflieger: Das ist KEINE Restaurantempfehlung!

P.S. Falls jemand ein Jobangebot für meine Liebste in Strausberg hat, immer her damit.

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