Montag, 5. Oktober 2009

Vodafone und das Internet – (m)ein Resümee

VodafoneVor ein paar Monaten muss es bei Vodafone Deutschland einen Strategiewechsel gegeben haben: Der träge, schwere Mobilfunkbetreiber betritt neues Gebiet – und zwar das Internet.

Nun ja, wird ja auch Zeit, das Netz ist ja auch nicht mehr das Jüngste.

Im  Sommer startete man die Werbekampagne “Generation Upload”, eine nicht nur aus aus meiner Sicht mehr als fehlgeleitete Namensgebung, die wohl auch gleichzeitig das Ende des Markennamens “Arcor” einläuten sollte. Wir leben im Land von schwachbrüstigem ADSL, da kann ein Upload schon mal dauern. Und HSUPA-fähige Endgeräte (zumindest im Bereich Handy) sind wohl auch Mangelware Thinking

Um die Neuentdeckung des Internets durch Vodafones zu zelebrieren, ließ man eine Reihe von Bloggern (unter anderem “den bekanntesten Blogger Deutschlands”?) in den zugehörigen Werbeauftritten mitwirken. Ziel der Aktion war augenscheinlich, Blogger und im Web aktive Menschen von Vodafone zu überzeugen, sie sogar selbst zu Überzeugern zu machen. Eine sich fortpflanzende Werbewelle sozusagen.

Der Aufschrei in der deutschen Blog-Szene jedenfalls war groß, zum einen verkauften sich angeblich die an der Kampagne beteiligten “A-Blogger”, zum anderen war Vodafone auf Grund des vorauseilenden Gehorsams im Zusammenhang mit Zensursulas Stop-Schild-Aktionen nicht gerade des Bloggers liebster Freund. Das gipfelte am Ende darin, dass Frau Schnutinger sich nicht nur als Werbeträger sondern auch aus dem Internet verabschiedete. Sozusagen Generation offline. Die Kampagne war ein Fehlschlag.

Die Wellen haben sich etwas beruhigt, was ist geblieben?

Vodafone Homepage 2. Oktober 2009 Vodafone betreibt jetzt ein Blog. Vodafone hat diese Woche ein Support- und Diskussionsforum online genommen. Ein Forum von Kunden für Kunden, mit kompetenter Unterstützung durch Vodafone-Wissen/Moderatoren. Das ist zumindest das Ziel, ich bin gespannt, ob es sich so entwickelt. Seit ein paar Wochen hat Vodafone auch Twitter für sich entdeckt und bei Facebook gibt’s ein Profil.

Leider habe ich aber den Eindruck, dass es immer noch alles künstlich und gestellt ist, Teil der großen (und angeblich sehr, sehr teuren 200.000.000,00 Euro) Internetkampagne. Oder wie ist zu erklären, dass weder Blog noch Forum von der Homepage aus (siehe Bild) verlinkt sind? Wenn man nichts davon weiß, findet man es nicht mal. Nur Twitter ist zwischen anderen Web2.0-Mini-Icons am unteren Rand direkt versteckt verlinkt.

Ich finde die Bestrebungen gut und auch notwendig, aber viel, viel zu spät. Aber hier ist eben nichts natürlich gewachsen, hier wurde Innovation befohlen. So wirkt es zumindest auf mich. Ich habe extra ein paar Monate gewartet bis ich mir ein Urteil erlauben wollte, aber mein Ersteindruck hat sich irgendwie nicht verändert. Ich finde das schade, bin ich doch gern Vodafone-Kunde (würde mir aber günstigere Tarife wünschen, insbesondere im hier beworbenen Daten-Umfeld!) und würde mich gern mehr mit der Marke identifizieren. Und auch die Corporate-Twitterer oder die Forumsmoderatoren sind engagiert und an der Sache interessiert. Aber so wird das nichts. Noch nicht. Es bedarf mehr, einen Dinosaurier zu bewegen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt …

Vielleicht sollte man sich lieber auf neuartige Dienste konzentrieren und vielleicht ist Vodafone 360 ein innovativer Weg dahin und nicht ein proprietärer Abklatsch schon existierender Dienste.

Abwarten.

Und eine Tasse englischen Tee trinken.

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