Montag, 8. März 2010

KLAGE GEGEN: Frau Eva Mustermann Strausberg

Kanzlei Knil Da ist man eine Woche im Urlaub und es häufen sich eine Menge Emails an, aber den vermeintlichen Höhepunkt hat dieses Mal meine Frau in Empfang nehmen dürfen:

Klage wegen Urheberrechtsverletzung pornografischen Materials

 

Aha. Nun ja, lesen wir uns doch mal den Text durch …

 

kuw Rechtsanwälte - Postfach 10 03 27 - 93003 Regensburg

Frau Eva Mustermann

Blaublub-Straße 11

12345 Dummendorf

Mein Zeichen: W-85124752-224

Bitte immer angeben

Klage wegen Urheberrechtsverletzung pornografischen Materials

Forderungs- und Vollstreckungsabteilung

Bürozeiten

Mo - Do 10.00 - 16.00 Uhr

Fr 10.00 - 12.00 Uhr

E-Mail anti-piracy@kanzlei-knil.de

Regensburg, den 26.02.2010

Sehr geehrter(e) Frau Eva Mustermann,

in obiger Angelegenheit zeigen wir die anwaltliche Vertretung und Interessenwahrung der Firma Videorama GmbH, Münchener Str. 63, 45145 Essen, an.

Gegenstand unserer Beauftragung ist eine von Ihrem Internetanschluß aus im sogenannten Peer-to-Peer-Netzwerk begangene Urheberrechtsverletzung an Werken unseres Mandanten. Unser Mandant ist Inhaber der ausschließlichen Nutzungs- und Verwertungsrechte im Sinne der §§ 15ff UrhG bzw. § 31 UrhG an diesen Werken, bei denen es sich um geschützte Werke gemäß § 2 Abs 1 Nr. 1 UrhG handelt.

I. Durch das Herunterladen urherberrechtlich geschützer Werke haben sie sich laut § 106 Abs 1 UrhG i.V. mit §§ 15,17,19 Abs. 2 pp UrhG nachweislich strafbar gemacht.

  1. Unsere Mandantschaft arbeitet mit einem Antipiracy-Unternehmen zusammen, das die einschlägigen Tauschbörsen im Internet technisch beobachtet und die IP-Adresse von Verletzern feststellt und dokumentiert. Für ihren Anschluss sind mehrere Downloads von pornografischen Videomaterial und musikalischen Werken dokumentiert worden.
  2. Aufgrund dieser Daten wurde bei der zuständigen Staatsanwaltschaft am Firmensitz unseres Mandanten Strafanzeige gegen sie gestellt. Die Staatsanwaltschaft hat hierauf ihren Provider, welcher sich aus der IP-Adresse erkennen lässt, aufgefordert, den der festgestellten IP-Adresse zugehörigen Telefon-/Internetanschluss mitzuteilen. Durch Akteneinsicht in die staatsanwaltliche Ermittlungsakte sind wir an folgende Daten gelangt:

    Frau Eva Mustermann
    Blablub-Straße 11
    12345 Dummendorf
    eva.mustermann@dummfug.de
  3. Wir möchten Sie darauf hinweisen das die Staatsanwaltschaft Essen großes Interesse daran hat, jeden Nutzer gerade bei pornografischen Material und musikalischen Werken genau zu überprüfen. Wir sind deshalb verpflichtet ihre Ermittlungsakte bis zum 01.03.2010 der Staatswanltschaft Essen zurückzusenden.

Genau aus diesem Grund unterbreitet unsere Kanzlei ihnen nun folgendes Angebot:

Um weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und anderen offiziellen Unannehmlichkeiten wie Hausdurchsuchungen, Gerichtsterminen aus dem Weg zu gehen, gestatten wir ihnen den Schadensersatzanspruch unseres Mandanten vollständig anonym zu bezahlen. Wenn sie anonym bezahlen garantiert unser Mandant der Staatsanwaltschaft mitzuteilen das der Schadensersatzanspruch irrtümlich gegen sie gerichtet worden ist, und alle Ansprüche gegen Sie fallengelassen werden sollen. Wenn die Staatsanwaltschaft keinen Auftrag hat kann sie auch nicht tätig werden!

Wir bitten sie deshalb den Schadensersatzanspruch von 100 Euro bis zum 01.03.2010 sicher und unkompliziert mit einer Paysafecard zu bezahlen. Eine Paysafecard ist die sicherste Bezahlmethode im Internet und für jeden Bürger anonym an Tankstellen, Kiosken etc. zu erwerben. Weitere Informationen zum PaySafeCard-Verfahren erhalten Sie unter: http://www.paysafecard.com/de/. Senden Sie uns den 16-stelligen Pin-Code der 100 Euro Paysafecard an folgende E-Mailadresse die-zahlungen@betriebsdirektor.de. Wir erkennen sie an ihrer E-Mailadresse und können so ihre Zahlung zuordnen.

Sollten sie diesen Bezahlvorgang ablehnen bzw. wir bis zur angesetzten Frist keinen 16- stelligen Paysafecard PIN-Code im Wert von 100 Euro erhalten haben, wird der Schadensersatzanspruch offiziell aufrecht erhalten und das Ermittlungsverfahren mit allen Konsequenzen wird eingeleitet. Sie erhalten dieses Schreiben daraufhin nochmals auf dem normalen Postweg.

Mit freundlichen Grüßen,

Kanzlei Knil – KUW Rechtsanwälte und Partner.

KUW Rechtsanwälte - Thomas Urmann - Chrisopher Lihl - Postfach 10 03 27, 93003 Regensburg - E-Mail anti-privacy@kanzlei-knil.de - Bankverbindung Sparkasse Regensburg Konto Nr XXXXXXXXXXX Bankleitzahl 750 500 00 - Internet www.kanzlei-knil.de

Da kann einem ja der Schreck in die Glieder fahren, wenn da nicht folgende Auffälligkeiten wären:

  • Meine Frau wurde mit ihrem vorehelichen Namen angesprochen.
  • Meine Frau hat gar keinen Internetanschluss, der läuft nämlich auf mich.
  • Peer-to-Peer gibt’s hier nicht.
  • Pornos gibt’s für lau zur Genüge im Netz, wer dafür P2P ist wirklich doof Tongue out
  • Die eingangs erwähnten KUW-Rechtsanwälte haben sich schon längst in KWB und U+C geteilt.
  • Die Adresse www.kanzlei-knil.de führt auf einen polnischen Server, der meldet, dass das Konto vorübergehend gesperrt wurde (siehe Bild am Anfang des Artikels). Die Domain wurde erst am 23.2.2010 registriert, die Inhaber-Daten laut DENIC sehen ziemlich verdächtig aus.
  • @betriebsdirektor.de ist eine GMX-Domain.
  • Das “Vergehen” wird nicht beschrieben: Im Normalfall wird Dateiname, IP-Adressen, Uhrzeiten etc. aufgeführt.
  • Man will, dass wir per Paysafecard zahlen. Genial!

Also, das ist wirklich der größte Schwachsinn, den ich seit langem gesehen habe – aber man geht damit auf Dummenfang. Eigentlich wäre es eine Anzeige wert, aber den Verfasser wird man wohl nicht so schnell zu ermitteln sein. Mehr Infos auch hier.

Die Quintessenz lautet somit:

 

Achtung Abzocke!

 

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