Donnerstag, 16. Dezember 2010

Gesichtserkennung in Facebook-Fotoalben

Facebook hat vor ein paar Stunden im eigenen Blog eine neue Funktion angekündigt, die die Datenschutzdebatten um den Platzhirsch aller sozialen Netzwerke wieder neu aufflammen lassen wird: Halbautomatische Gesichtserkennung.

Facebook Gesichtserkennung

Die Idee besteht darin, dass Facebook durch Anwender hochgeladene Bilder überprüft, in dem eine Gesichtserkennungssoftware benutzt wird. Diese gruppiert dann die erkannten Gesichter und schlägt die Ergebnisse dem Nutzer vor. Dieser kann dann den richtigen Namen zuordnen und so seine Fotos gleich entsprechend kennzeichnen. Diese Kennzeichnungsfunktion gibt es bei Facebook schon ziemlich lange, aber sie musste bisher immer manuell ausgeführt werden.

Die zugrundeliegende Technologie der automatischen Gesichtserkennung ist nicht neu und auch Google Picasa setzt das schon seit Version 3.6 ein. Ich finde die Funktion in einem Offline-Programm auch toll und vor allen Dingen nützlich. Aber wenn eine Zuordnung zwischen Gesichtsmerkmalen und Namen erst einmal im Web Einzug findet, dann wird es nicht lange dauern, bis selbst eigentlich anonyme und nicht dokumentierte Fotos im Netz früher oder später mit der realen Person darauf verknüpft sind. So auch bei Facebook: Wenn ein Nutzer einen anderen “identifiziert” hat, so wird diese Verknüpfung auch auf anderen Bildern entsprechend vorgeschlagen – und das auch bei anderen Freunden, wenn diese entsprechende Bilder mit besagter Person im eigenen Album haben. Komplette Vernetzung, diesmal auch visuell.

Mir fällt es schwer, die Tragweite dieser Technik wirklich abzuschätzen. Sicherlich wird es früher oder später Freundesvorschläge durch Facebook geben, die auf diesen optischen Vergleich beruhen. Anonymität war gestern!

Man muss abwarten, wie die Privatsphären-Einstellungen zu der neuen Funktion aussehen werden, die zuerst in den USA an den Start gehen wird. Fakt ist aber auch, dass die Technologie im Hintergrund immer werkelt und die Daten sicher schon jetzt vorsorglich sammelt, egal was man in den Einstellungen später ein- oder ausschaltet.

Man sollte sich bewusst sein, dass im Internet früher oder später jedes Foto der realen Person zugeordnet werden wird – die Technik macht’s möglich. Dumm nur, dass man schlecht beeinflussen kann, auf welchen Fotos man erscheint – selbst als unbeteiligte Person im Hintergrund ist man vor einer ungewollten Identifizierung nicht sicher.

Fluch oder Segen?

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