Montag, 18. April 2011

NAS mit Windows Home Server 2011 im Eigenbau

Alles neu macht der Mai.

Na gut, es ist noch April, aber trotzdem – die Übernahme in den Produktivbetrieb ist erst für den Mai angesetzt.

Wovon?

 

Für meinen Windows Home Server im Eigenbau!

Momentan betreibe ich als zentralen Speicherplatz in meinem kleinen Netzwerk eine NSLU2 (aka Slug) mit zwei externen USB-Platten, insgesamt ca. 700GB Plattenplatz. Darüber habe ich hier schon relativ viel geschrieben.

Vorteil: klein, sparsam, offen (bei mir läuft Debian als Betriebssystem)

Nachteil: wenig leistungsfähig, schwierig erweiterbar, nur 100MBit/s als Netzwerkanbindung (und selbst die kann ich hier nicht voll nutzen)

In unserem Häuschen habe ich alles brav mit Gigabit-fähigen Datenkabeln ausgestattet und auch einen kleinen 19-Zoll-Netzwerkschrank an die Wand geschraubt. Dieser will gefüllt sein.

Ganz unten ist das Patchfeld, darüber habe ich den Switch eingebaut (TL-SG1024, 24 Ports Gigabit) und darüber soll als Ablösung der guten alten Slug ein sogenanntes NAS (Network Attached Storage), also ein zentraler Speicherplatz für alle Rechner und Nutzer im Netz.

Es gibt fertige NAS-Systeme im 19-Zoll-Format, aber diese Dinge sind maßlos überteuert. Zudem ist die Rechenkraft der Fertiggeräte meist begrenzt und ich will etwas mehr Dampf haben als die üblichen Atom-CPUs liefern. Also kam nur Eigenbau in Frage.

Zuerst war die Frage des Gehäuses zu klären: 19-Zoll-Rackgehäuse gibt es wie Sand am Meer. Aber …

… nur ein einziges, das in meinen, nicht sonderlich tiefen Schrank passt. Die Einbautiefe ist nämlich auf ca. 36cm begrenzt. Und da hat Tante Google nach stundenlanger Suche nur ein einziges Ergebnis hervorgebracht: Das Multicase IPC-420.

Zum Glück gibt es noch Händler, die das Ding haben, allerdings ist es auch nicht so billig. Dafür besonders, denn das Board sitzt verkehrtherum im Gehäuse – die normalerweise rückwärtigen Anschlüsse schauen nach vorn und sind somit im Schrank einfach zugänglich (Front Access). Und die Einbautiefe beträgt (hoffentlich!) passgenaue 355mm.

Die restlichen Komponenten sind eher Standardkost, aber seht selbst:

  • Gehäuse IPC-420
    19-Zoll-Format, 6x interne 3,5-Zoll-Einbauslots, 1x Gehäuselüfter, 2x HDD-Lüfter, passend für microATX-Boards und Standard-ATX-Netzteile
  • Board Intel DH67GD B3
    Unbedingt auf das B3-Stepping achten, die ersten Sandy-Bridge-Chipsätze hatten einen Fehler in den SATA-Bausteinen, der unter Umständen zu Datenverlust führen kann.
    LGA1155-Sockel, H67 Express Chipsatz, 4x SATA, 2x eSATA, DVI, HDMI, Displayport, USB 3.0
    Die Wahl fiel aus mehreren Gründen auf das Intel-Board, zum einen kommt es mit eingebauter Grafik (Teil der CPU), bietet Onboard-RAID und hat einen Intel-Netzwerkchip. Letztere sind für ihren guten Netzwerkdurchsatz bekommen – bei einem NAS nicht ganz unwichtig. Zudem laufen die Intel-Boards stabil, auch wenn sie keine großen Overclocking-Einstellungen im BIOS ermöglichen, was aber für dieses Projekt unnötig ist.
  • Intel CPU i3-2100T
    Die stromsparende Variante der i3-Prozessoren mit max. 35W TDP und integrierter HD-Grafikengine. Letztere ist für ein NAS natürlich nicht so wichtig. Der Boxed-Lüfter ist okay, schön klein und mit der Board-eigenen Lüftersteuerung sogar überraschend leise. Aber auch Lautstärke ist diesmal kein Kriterium, da der Server im Hauswirtschaftsraum stehen wird.
  • 2x 2GB DDR3 RAM
    Ich habe mit Marken-RAM schon schlechte Erfahrungen gemacht also habe ich hier Standardware gewählt. Bisher keine Probleme.
  • Festplatten 4x Samsung EcoGreen F4 HD204UI (Daten) und 1x Western Digital WD15EARS (System)
    Hier gilt zu beachten, dass auch die Samsung-Platten vor 12/2010 (Herstellungsmonat steht direkt auf der Festplatte) einen Bug in der Firmware haben. Den muss man durch ein Update beseitigen. Die vier Platten laufen derzeit im RAID5 und bieten damit fast 6 Terabyte halbwegs sicheren Speicherplatz. Die Systemplatte, die übrigens am internen eSATA-Port hängt, wird ungespiegelt laufen, diese werde ich per Backup sichern. Ein erster RAID5-Test war auch erfolgreich – auch wenn ich kein Freund von RAIDs bin, war die Fehlertoleranz schon irgendwie beeindruckend. Wie ich mein Glück kenne, wird das im Fehlerfall natürlich nicht so reibungslos funktionieren Smiley mit herausgestreckter Zunge
  • Netzteil Aurum Gold 400W
    Klingt überdimensioniert und ist es auch. Auf der anderen Seite ist das Aurum eins der wenigen Netzteile, die auch bei sehr geringer Last noch einen halbwegs guten Wirkungsgrad erzielt. Das Gesamtsystem verbraucht mit fünf Festplatten momentan 45W im Idle. Könnte weniger sein, aber ich bin ja auch nicht fertig. Und so schlecht ist es auch nicht.
  • Betriebssystem Windows Home Server 2011
    Das neue WHS-Betriebssystem ist fertig und TechNet-Abonnenten können es schon nutzen. Ich warte, bis es eine System Builder-Version geben wird wird, das könnte im Mai soweit sein.
    Warum Windows? Nun ja, ich mag Windows. WHS2011 basiert auf Windows Server 2008 und ist somit Windows 7 sehr ähnlich. Es bietet besonders im Zusammenspiel mit Windows-Clients einzigartige Funktionen, unter anderem ein automatisiertes nächtliches Backup. Die Installation erfolgt per USB-Stick, da ich kein optisches Laufwerk verbaut habe. Bis dahin probiere ich vielleicht auch nochmal FreeNAS aus. Mal sehen Zwinkerndes Smiley

Das ist also der Stand der Dinge und so sieht’s aus:

Nach dem ZusammenbauDie Vorderseite

Linux wird in meinem Netz in Form der NSLU2 weiterleben. Aber der WHS2011 wird die Zukunft darstellen, ich bin schon ganz gespannt, was ich mit dem ganzen Speicherplatz anfangen werde.

Nach dem Umzug und der Inbetriebnahme wird es hier den ein oder anderen Artikel zum Thema geben, freut euch und seid gespannt.

Was läuft denn bei euch so? Habt ihr ein NAS im Einsatz?

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