Dienstag, 21. Juni 2011

Gedanken zum Video-Streaming/HTPC

Ich habe mir vor ein paar Jahren einen HTPC, also einen Home Theater PC zusammengebaut. Dieser sollte mal als Medienzentrale herhalten und Musik, Bilder sowie Videos verwalten.

Silverstone LC16

So richtig wurde er dafür nie benutzt, denn der auf dem Asus M2A-VM verbaute HDMI-Ausgang blieb mangels passendem Gegenstück (hier gab’s bis vor Kurzem nur Röhrenfernseher) ungenutzt. Also agierte der PC im schicken Silverstone-LC16-Gehäuse nur als Server für unsere Pinnacle ShowCenter und als zentrale Ablage von Filmen und Musik.

Die Zeit läuft weiter: Die Showcenter werde ich nicht mehr in Betrieb nehmen, das ist ohne MKV und HDMI überholte Technik. Als zentraler Speicherplatz/NAS für Medien und mehr agiert mein selbstgebauter Windows Home Server, mit dem ich sehr zufrieden bin.

Also könnte der HTPC seinem Namen und ursprünglichem Zweck alle Ehre machen und wirklich als Multimedia-Streaming-Gerät herhalten. Ursprünglich dachte ich auch an die Anschaffung einer WDTV Live, mit der Blog-Nachbar Stuff sehr zufrieden ist und die es für einen schmalen Taler gibt. Aber dann habe ich mal in einer langweiligen Minute XBMC ausprobiert und bin hellauf begeistert – so muss das aussehen Smiley

XBMC ist mal als XBox Media Centre aus der Taufe gehoben worden, die quelloffene Software steht aber nun auch für Linux, Mac und eben Windows kostenlos zum Download zur Verfügung. Technisch ist es eigentlich nur ein Software-Mediaplayer, aber sehr flexibel und mit vielen Funktionen und Skins.

Also habe ich den PC neu aufgesetzt. Windows XP flog runter, Windows 7 Home Premium war per USB-Stick schnell installiert. Das System bedient sich mit den verbauten 2Gb RAM und dem eigentlich überholten AMD Athlon 64 x2 mit 2,2GHz flüssig und so war ich guter Dinge. Mit dem passenden HDMI-Kabel (Die AmazonBasic-Kabel sind wirklich Spitze!) den Rechner mit dem Fernsehgerät verbunden (hier ein Philips 46PFL9705) und … schwarze Ränder genossen. Urgs.

Das PC-Bild wurde mit ca. 3-4cm breiten, schwarzen Streifen am Rand dargestellt. Nicht so schön. Zudem hat Windows 7 für die integrierte AMD X1250-Grafikkarte des 690G-Chipsatzes zwar einen passenden Treiber parat, aber ohne jegliche Einstellungsmöglichkeit. Im Normalfall kann man die aktuellen AMD-Treiber installieren, die dann auch das berühmt-berüchtigte Catalyst Control Center (CCC) mitbringen – aber von AMD gibt es für das Produkt leider keinen Windows-7-Support.

Zum Glück hat ein netter Nutzer der MCE-Community eine Anleitung bereitgestellt, wie man das CCC doch noch installiert bekommt:

Ganz richtige Vorgehensweise: ATI Catalysit 9.11 Legacy installieren. System neu starten (und dabei hoffen dass der unter "fast richtig" beschriebene Fehler nicht auftritt). ATI Catalyst 10.2 Legacy installieren. Jetzt wird alles gut, CCC geht, Bild lässt sich auf 100%, also ohne Rand, raufskalieren, usw. Allerdings scheint auch der 10.2 keine offizielle Win 7 Freigabe zu haben, aber der Treiber ist vom April 2010, da sollte doch eigentlich..., oder?
Ps: Den 9.11 und 10.2 Legacy findet man bei ATI, in dem man bei Graphics, Integrated, als Betriebssystem Vista auswählt. Wählt man Win 7 aus, bekommt man die Treiber für X1200 und Co nicht angezeigt, sondern nur für neuere. Der 10.2 Legacy ist der momentan aktuelle Treiber für die älteren Grafikchips (bei neueren Grafikchips ist ATI bereits bei 10.4), und den 9.11 Legacy bekommt man wenn man rechts den Link zu älteren Treiberversionen anklickt.

(Quelle)

Das hat geholfen und man kann nun auch mittels Underscan/Overscan den schwarzen Streifen wegkonfigurieren. Das Ergebnis ist ein gestochen scharfes FullHD-Bild mit 1920x1080 Pixeln, bildschirmfüllend. Yeah!

Nun noch schnell XBMC installiert, der Software gesagt wo die Filme liegen und einen Testlauf gestartet. Mein altes SD-Material, meist in Form von Fernsehserien und Filmen im XviD-Format lief ohne Probleme. Nun soll der HTPC den teuren Fernseher aber auch mit HD-Material befeuern und dafür gibt es einen guten Test: Das sogenannte Killa Sample, ein knapp 40s langer Filmausschnitt aus Planet Earth, den es mit Googles Hilfe im Internet in verschiedenen Bitraten als MKV zum Download gibt. Das Ding stellt in der höchsten Bitrate enorme Anforderungen an den Player, sei es Hardware- oder Software-Player und so sieht es aus:

Hübsch, oder?

Nun ja, in dem Moment ist mir ziemlich die Kinnlade heruntergeklappt, denn mein HTPC hat das Stückchen Film in den ersten Sekunden noch relativ flüssig aber kurz danach nur noch als Diashow abgespielt. Die CPU-Auslastung pegelte sich bei weit über 70% ein und die Taste “o” während des Abspielens offenbart die Anzahl der ausgelassenen Bilder (dropped frames), die im Idealfall Null sein sollte. Hier hat er mehr ausgelassen als abgespielt, würde ich mal sagen Smiley mit geöffnetem Mund

In XBMC unter Windows 7 kann man zwar die Hardware-unterstützte Dekodierung einschalten, aber der verbaute Chipsatz bringt da kaum Hilfe. Es wurde nur minimal besser.

Bevor ich das alles natürlich wieder in die Ecke schmeiße, habe ich jetzt eine passive Asus GT520 bestellt. Laut Forenberichten soll das gute Stück die CPU enorm entlasten und FullHD sollte damit kein Problem mehr darstellen.

Ich bin gespannt und werde berichten!

Was nutzt ihr so daheim? Boxee Box, XStreamer, WDTV oder doch etwas selbst gebautes?

blog comments powered by Disqus

Design von Dicas Blogger, angepasst durch Mario Ruprecht