Dienstag, 6. März 2012

XBMC-Tipp: Richtiges Aufbereiten von Filmen und Musik

Ember Media Manager 1.3Ich bin in den letzten 12 Monaten zu einem großen Fan des freien Media-Centers XBMC geworden. XBMC bietet eine fantastische Oberfläche, um Filme und Musik optisch ansprechend zu präsentieren. Genaugenommen kann XBMC von Hause aus mit diversen Audio- und Videoformaten umgehen – der Bereich, um Fotos und Bilder zu verwalten, ist allerdings damit verglichen eher rudimentär und das ist auch der Hauptgrund, warum ihn ihn nicht nutze.

Filme und Musik allerdings werden in einer XBMC-eigenen Datenbank verwaltet und damit stehen einem fast alle Wege offen: Sortieren nach diversen Kriterien, eine äußerst schnelle und komfortable Suche, Einschränken nach gesehen/nicht gesehen/zuletzt hinzugefügt etc. Die Möglichkeiten sind schier endlos. Allerdings: Das Ganze ist mit etwas Aufwand verbunden, denn um in den vollen Genuss dieser Funktionen zu kommen, müssen die Mediendateien vorbereitet werden.

Wie ich das mache, lest ihr hier …

Musik

Musik liegt ja heute meist in elektronischer Form als MP3 vor. Das Dateiformat MP3 und andere, modernere Formate auch können neben der eigentlichen Musik auch Metainformationen (Titel, Interpret, Jahr, Album-Name, Cover Art etc.) aufnehmen, die sogenannten ID3-Tags. Heutige MP3-Player (Software oder Hardware) können diese Informationen auslesen und anzeigen. Auch XBMC setzt darauf und wer seine Alben mit allen Vorteilen und ordentlich beschriftet in XBMC nutzen will, der sollte die ID3-Tags entsprechend pflegen.

MP3tag in AktionDie Software, mit der ich neulich meine gesamte Sammlung an drei langen Abenden überarbeitet und in einen konsistenten Zustand gebracht habe, heißt MP3tag: Unheimlich flexibel, schnell, kommt mit großen Bibliotheken zurecht und ist Freeware!

Große Vorteile von MP3tag: Die Albuminformationen können von verschiedenen Diensten aus dem Netz gezogen werden, unter anderem von Amazon, freedb und MusicBrainz. Damit hat man meist auf einen Schlag schon alle Titel und Interpreten eines Albums richtig beschriftet. Zudem kann man sich die Album-Cover von Amazon holen, die dort fast immer im Format 500x500 Pixel vorliegen. Ich habe jetzt überall, soweit möglich, die Bilder auf diese Größe aktualisiert, weil das natürlich auf einem großen TV mit XBMC einfach besser aussieht.

Nachdem die Daten richtig sind, lasse ich die Dateien mit der eingebauten Funktion in das Format “Titelnummer_-_Interpret_-_Titel” umbenennen – für das Zusammenspiel mit XBMC ist das allerdings nicht notwendig. Der dafür notwendige Formatstring lautet jedenfalls:

$num(%track%,2)_-_%artist%_-_%title%

Als Letztes habe ich noch eine Aktion definiert, die mir die Album-Cover aus den MP3s extrahiert und als folder.jpg im gleichen Verzeichnis speichert – manche Software greift alternativ auch darauf zu.

Filme und TV-Serien

Okay, das “Taggen” von Musik ist sicherlich keine Hexerei – mit den richtigen Werkzeugen klappt das ganz gut. Aber was ist mit Videomaterial? Dort gibt es nichts, was den ID3-Tags bei Musik ähnlich ist, zumindest nicht formatübergreifend. XBMC nutzt für die Metainformationen eine XML-Datei mit der Endung .nfo, die im gleichen Verzeichnis wie das Video liegen muss. In dieser Datei erwartet XBMC die ganzen Daten, die beim Hinzufügen eines Videos in die Datenbank eingelesen werden sollen (Titel, Schauspieler, Jahr etc.).

Im Normalfall erstellt XBMC diese Datei selbst – sogenannte Scraper sind dafür verantwortlich, dass beim Hinzufügen eines Mediums Zusatzinformationen und Artwork (also Cover, Hintergründe, Fanart, Szenenbilder etc.) aus dem Internet von Seiten wie der IMDB oder TheTVDB geladen werden. Die so gewonnenen Metainformationen schreibt XBMC zusätzlich in diese Datei, so dass sie beim nächsten Mal von dort gelesen werden können.

Was mich an diesem Vorgang stört: Man hat fast keinen Einfluss darauf, welche Informationen oder welches Cover nun gespeichert werden. Auch Korrekturen sind so nur schwer möglich.

Zum Glück gibt es auch dafür Abhilfe und sie heißt Ember Media Manager. EMM ist vor ein paar Jahren als sehr ambitioniertes Projekt gestartet, die Software hat schnell viele Fans gefunden. Aber von einem Tag auf den anderen war das Team dahinter verschwunden. Dumm nur, dass die Software beim Start eine bestimmte Internetadresse nach Updates abfragte und irgendwann war auch diese Domain abgeschaltet. Zudem müssen Tools wie MP3tag oder EMM ständig nachgebessert werden: Es reicht schon, wenn ein Internetdienst die Seiten ändert und schon klappt nichts mehr. So war’s auch hier. Zum Glück hat sich wohl jemand besonnen und als letzte Aktion den Quellcode von EMM veröffentlicht. Seitdem gab es ein paar Bugfixes von diesem oder jenen aber erst vor wenigen Wochen hat sich eine neue Heimat gefunden.

Der Entwickler pflegt die Software in seiner Freizeit, die augenblicklich etwas knapp ist. Aber er hat zumindest eine brauchbare Version online gestellt, die die größten Fehler ausbügelt. Diese Version nutze ich nun schon seit mehr als zwei Monaten und kann lächelnd über die verbliebenen Schwächen hinwegsehen.

Ember hat den Vorteil, dass es Filminfos von der IMDB zieht, aber auch die OFDB für deutsche Beschreibungen, Kategorien und Altersfreigaben in einem Ruck abfragen kann. Zudem bekommt man alle Cover und Hintergrundbilder präsentiert. Serieninformationen werden zuverlässig von TheTVDB gelesen, ebenso wie die Szenenbilder pro Folge.

Die Einarbeitung erfordert etwas Fleiß, Ember ist nicht gerade selbsterklärend und zudem nur auf Englisch erhältlich. Aber wer sich an ein paar Grundlagen hält (zum Beispiel nur ein Film pro Ordner oder vorgegebene Verzeichnisstruktur bei Serien), der bekommt mit XBMC und EMM ein Dream Team an die Hand! Zudem nutze ich EMM aus der Dropbox heraus, so dass ich hier immer den gleichen Stand auf allen meinen Rechnern habe.

Anbei mal eine Reihe vom Screenshots, wie meine Einstellungen in der Version 1.3 von Ember derzeit aussehen.

Filme:

EMM: Einstellungen Filme (1)

EMM: Einstellungen Filme (2)EMM: Einstellungen Filme (3)

EMM: Einstellungen Filme (4)

EMM: Einstellungen Filme (5)

EMM: Einstellungen Filme (6)

TV-Serien:

EMM: Einstellungen TV-Shows (1)

EMM: Einstellungen TV-Shows (2)

EMM: Einstellungen TV-Shows (3)

EMM: Einstellungen TV-Shows (4)Damit bekomme ich XBMC-kompatible NFO-Dateien, die ich erstelle, bevor ich den Film oder die Serie/Episode in XBMC hinzufüge. Denn nur so kann XBMC die NFO-Datei erkennen und liest die Daten aus der lokalen Datei als alles (wieder) selbst aus dem Internet zu laden. Zwinkerndes Smiley

Mit diesem Vorgehen hat man die perfekte Kontrolle, was an Metainformationen gespeichert wird – man kann Schreibfehler oder Altersfreigaben berichtigen, den Titel spielend ändern und sich genau die Infos zusammensuchen, die man haben will.

Ember Media Manager: HauptansichtXBMC-kompatible FilminfosHier noch zwei Screenshots, wie das dann in Ember und und in dem entsprechenden Filmverzeichnis aussieht.

Die Infos in meinem Filmverzeichnis sind teilweise doppelt mit anderen Dateinamen (siehe auch die Einstellungen weiter oben). Zum Teil greifen aber auch die verschiedenen Skins von XBMC auf unterschiedliche Dateinamen zu. Mit diesen Einstellungen hatte ich jedenfalls noch keine Probleme und 300kB Speicherplatz mehr oder weniger fallen bei einem Film nun gar nicht ins Gewicht …

Fazit

Es macht Arbeit – gar keine Frage! Aber habt ihr das einmal gemacht und lest eure Bibliothek in XBMC neu ein – ihr werdet es mögen. Alles wirkt dann wie aus einem Guss. Lust auf Horror? Dann wähle ich eben die Kategorie Horror und sehe alle passenden Filme auf einen Haufen. Ein Film mit Bruce Willis? Na dann schauen wir doch mal, wo er überall mitgespielt hat …

Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht aber auch ein Ticken Perfektionist … Zwinkerndes Smiley

Und fragt ruhig, wenn ihr Fragen habt – in der Zwischenzeit komme ich mit Ember wirklich gut klar, auch wenn ich bewusst nicht alle Funktionen nutze (unter anderem Renaming oder Trailer-Download, der auch gerade nicht funktioniert).

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